(Simon beim Besuch der Panama-Schule in Siloé - AMO-Programm) 

 

Wer sich das erste Mal in Cali befindet, der ist umgeben von viel Beton, breiten Strassen und viel Verkehr. Die Stadt Cali versprüht nicht den Charme, um sich auf den ersten Blick in sie zu verlieben, denn es fällt einem schnell der krasse Gegensatz von Arm und Reich auf. Auf den zweiten und dritten Blick jedoch beginnt man die Stadt zu entdecken, ihre schönen Seiten, ihre Geheimnisse und ihre bewegte Geschichte zu erleben, indem man mit  Menschen zusammentrifft, die ein Teil dieser Geschichte sind. Wer das heutige Cali verstehen will, muss also in die Vergangenheit blicken.


Die Stadt Cali (Santiago de Cali) wurde im Jahre 1536 vom spanischen Offizier Sebastián de Belalcázar gegründet. Heute blickt der Gründer Calis auf einer Anhöhe in Form einer Statue auf seine Stadt und weist ihr den Weg. Cali ist eine der ältesten Städte  Amerikas und entwickelte sich im Laufe ihrer Geschichte zum Wirtschaftszentrum südwestlich in Kolumbien. Wichtigste Wirtschaftssektoren sind der Anbau von Zuckerrohr und dessen industrieller Verarbeitung. Cali wird zudem die Haupstadt des Salsa genannt und ist weltbekannt für ihr aufregendes Nachtleben. 

Doch Cali hat besonders traurige Berühmtheit durch das Cali-Kartell erlangt. Der Zusammenschluss verschiedener Kokainproduzenten und Drogenschmuggler prägte die Stadt und weite Teile des Landes ab den 1970er Jahren für mehr als zwei Jahrzehnte. Zur Blütezeit vertrieb das Cali-Kartell rund 70 Prozent des weltweiten Kokaingeschäfts und entwickelte sich zu einem Multimiliardenkonzern. Das Cali-Kartell gehört bis heute zu den mächtigsten und größten Drogenkartellen die es je gab bzw. gibt. Vor allem die sozialen Einflüsse des Drogengeschäfts haben die Stadt Cali stark geprägt. Wer nicht Teil des Systems der Kartelle war, war Außenseiter oder im schlimmeren Fall ein Feind des Kartells. Die staatlichen Institutionen, wie Polizei, Politik, Militär und Gerichte wurden unterwandert, bestochen oder durch Anschläge aus dem Weg geräumt. Die Brutalität sowie die menschenverachtende und menschenvernichtende Vorgehensweise der Kartelle fand ihren Höhepunkt in den "Säuberungsaktionen" der Armenviertel der Stadt. So wurden Todesschwadrone (grupos de limpieza social) gegründet, unter ihnen auch korrupte Mitglieder der Stadtpolizei, um die Straßen von sog. Wegwerfmenschen (desechables), wie Waisen- und Straßenkindern, Obdachlosen, Homosexuellen und Prostituierten, zu säubern. Hierbei agierten Jugendliche als Auftagskiller, die sich in Banden organisierten. Bis heute sind solche Jugendbanden ein großes Gewaltprobelm, sind sie nämlich durch den Wegfall der Kartelle heute die Erben des Drogenhandels.

Wie skrupellos und fortgeschritten der Verfall der sozialen Struktur durch die allmächtige Herrschaft der Drogenkartelle in Kolumbien vorangeschritten war, zeigt das Beispiel des 15-jährigen Jungendlichen Sicario. Am 22.03.1990 ermordete er den Präsidentschaftskandidaten Bernardo Jaramillo für umgerechnet 800 Euro. Mit dieser zunehmenden Brutalität war die Politik zum Handeln gezwungen. Schon längst war sie nicht mehr im Besitz ihres Gewaltmonopols. Anfang der 1990er Jahre, kurz nach den Präsidentschaftswahlen, erklärte die Regierung den Kartellen den Krieg. Der  Kampf gegen die Drogenkartelle entwickelte sich nahezu zu einem Bürgerkrieg, der  etliche Menschenleben kostete. Durch gezielte Tötungen, Verhaftungen und Beschlagnahmungen konnte die kolumbianische Regierung Mitte der 90er Jahre endlich wichtige Erfolge vermelden. Das Cali-Kartell wurde nach der Verhaftung der Führungsmitglieder aufgelöst.

Die Stadt Cali kämpft bis heute gegen die Folgen, die aus der Zeit des Cali-Kartells entspringen. Die Korruption innerhalb der staatlichen Institutionen ist bis heute ein massives Problem. Auch die städtische und wirtschaftliche Entwicklung hat unter der Herrschaft des Cali-Kartells gelitten. Bis heute wird Cali das Image als Kokainstadt nicht los, ebenso bleiben ausländische Investoren auf Grund der hohen Kriminalität fern. Ein Kernproblem welches die Stadt bis heute prägt. Die Armenviertel sind Ausdruck der politischen Hilflosigkeit. Aber sie sind auch Anstoß unserer Arbeit, die Bewohner der Armenviertel  auf dem Weg aus ihrer Hilfslosigkeit zu begleiten.

 


Siloé - Armenviertel mit Perspektive

 

Der Stadtteil Siloé in Cali, ist wohl das ärmste Viertel dieser Stadt. Das Viertel liegt im Westen der Stadt, zieht  sich entlang des Berghangs und beherbergt etwa 70.000 Menschen, die wahrscheinliche Einwohnerzahl liegt wohl wesentlich höher. Die meisten der hier lebenden Menschen haben weder Arbeit noch ein festes Einkommen und somit kein Geld, um ihren Kindern das Schulgeld zahlen zu können. Wer seinen Kindern Bildung bieten möchte, muss rund 50 Dollar Schulgeld im Monat bezahlen. Auch heute noch zählt Siloé zu den gefährlichsten Gegenden der Stadt. Im Gegensatz zur Zeit der Kartelle leben heute vor allem Kleinkriminelle vom Drogenhandel. In den letzten Jahren haben der Bürgermeister und die Behörden verstanden, dass es der Stadt Cali nur dann besser gehen kann, wenn es auch den Ärmsten der Bevölkerung besser geht. Vereinzelte Projekte wurden in den vergangen Jahren mit Hilft von privaten Organisationen (Transforma) und den Behörden realisiert. Viele weitere Projekte sind in Vorbereitung oder in Planung. Es sind vor allem die Einwohner Calis, die verstanden haben, dass sie ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen müssen.

 

      

So ist Mitten am Fuß des Berghanges, an dem sich der Stadtteil Siloé entlang zieht, vor knapp eineinhalb Jahren der Park yo amo a Siloé (Ende 2011) entstanden. Er steht hinter hohen Stahlzäunen und wird rund um die Uhr bewacht. Dieser Ort soll den Einwohnern Siloés als sicherer Rückzugsort dienen und vor allem den Kindern und Jugendlichen eine Anlaufstelle bieten. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit der Stadt Cali und sozialen Organisationen vor Ort realisiert. Zu dem Park gehören ein Fußballplatz, ein Basketballplatz, Spielflächen mit Wasserspielbrunnen und ein Schulgebäude mit mehreren Räumlichkeiten.

 

Cali ist der Ort an dem unsere Visionen Realität werden. Unsere Projekte sind unsere Visionen, denen wir vor Ort und mit der Hilfe der Menschen Leben einhauchen. Das Ziel unserer Projekte besteht vor allem darin, den Kindern und Jugendlichen, sowie den Menschen, die im Armenviertel von Siloé leben, eine neue Perspektive zu geben: Zukunft!

 

 

 

 

 Quellen: http://www.wikipedia.de, http://www.lateinamerikanachrichten.de, Zeitzeugen

 

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